Am 7. Juli 2017 sind wir in einen frisch gewaschenen Wald zu einem kleinen Wanderritt aufgebrochen. In der Nacht zuvor hatten wir schwere Gewitter. In unserem Park hat es eine junge Trauerweide halb entwurzelt. Blitz, Donner, Sturmböen und Regengüsse tobten durch unsere Natur.

Nach dieser Nacht war die Luft im Wald frisch und klar. Kimmy, Marie, Paros, Mayke und Whoopi gingen gut gelaunt voran und genossen es sichtlich, sich mit uns in der freien Natur bewegen zu können. 

Für Marie, die seit dem letzten Jahr unter dem Sattel ist, sollte es ihr erster Halbtagesritt werden. Wir waren alle gespannt, wie sich unser Mädchen machen würde, so inmitten ihrer unerschütterlichen Friesenfamilie.

Wie immer gingen wir durch unser Wohngebiet mit Verkehr, Baustellen und emsig arbeitenden Gartenfreunden. Die Geräuschkulisse reichte von fröhlichem Vogelgezwitscher, über Rasenmäher und Freischneider, bis zu abladenden Betonmisch-LKW’s. Für Marie alles kein Grund Angst oder Panik zu entwickeln. Wir stiegen in den Wald ein und es umfing uns die frische Ruhe eines Waldes, der seinen Durst nach langer Hitze etwas stillen durfte. Es duftete nach Waldboden und jedes Blatt, das wir streiften, schenkte uns eine kleine feuchte Dusche, die einfach nur gut tat.

Wir ritten fröhlich im Schritt und Trab über den weichen Waldboden und genossen die Stille. Marie hatte die Idee, doch mal in jeden kreuzenden Weg hinein gehen zu wollen und das erinnerte mich an ihre große Schwester Elaine, die als junges Reitpferd ebenso neugierig alles erkunden wollte.

Nachdem wir schon einige Zeit unterwegs waren, sah ich ca. 50 m vor uns auf dem Weg ein kleines Tier und versuchte zu erkennen, worum es sich handelte, da es sich nicht weg bewegte. Wir alle waren gespannt und erkannten einen kleinen Hund. Ich wunderte mich sehr, dass er nicht weg lief und als wir die Stelle erreichten, sahen wir, dass noch ein zweiter kleiner Kerl am Wegesrand lag und völlig kraftlos am Boden kauerte. Er lag einfach nur da und suchte Schutz neben seinem Begleiter. Tanja und ich stiegen von Marie und Kimmy ab und Tanja untersuchte die kleinen Hunde, bei denen es sich um Dackel handelte. Zum Glück waren sie nicht sichtbar verletzt und sehr erleichtern, dass sie jemand gefunden hatte. Beide Hundchen trugen Halsbänder mit Namen und Telefonnummer, so dass wir die Eigentümer sofort kontaktieren konnten. Allerdings war es nicht denkbar, dass sie mit dem Auto so tief in den Wald fahren konnten und unsere kleinen Schützlinge konnten vor Erschöpfung nicht mehr laufen. Wie wir erfuhren, waren sie seit dem Vortag verschwunden und hatten somit das Unwetter der vergangenen Nacht allein im Wald durchlebt.

Kimmy und Marie hatten sich die Sachlage ruhig und verständnisvoll angeschaut und so gab mir Tanja eines der Hundchen in den Arm, so dass ich ihn im linken Arm trug und Kimmy rechts führte. Allerdings brauchte ich meine rechte Hand, da selbst der kleine Dackel auf Dauer für einen Arm zu schwer wurde. Ich musste mich darauf verlassen, dass Kimmy ruhig neben mir lief. Tanja nahm den zweiten kleinen Dackel auf den Arm und Anja übernahm es, Paros und Marie zu führen. Wir hatten alle den Eindruck, dass unsere Pferde genau begriffen hatten, wie schwach die Kleinen waren und so liefen wir gemeinsam durch den Wald und Kimmy achtete genau darauf, dass ich mit meiner Last sicher gehen konnte. Von Zeit zu Zeit schnupperte sie am Dackelchen, als wolle sie sich vergewissern, dass wir es richtig machen und lief dann zufrieden neben mir weiter. Keines der Pferde versuchte zum Fressen abzutauchen oder andere Faxen anzustellen. Alle waren von der Aufgabe beseelt, die kleinen Dackel wieder nach Hause zu bringen.

Auch unsere kleinen Schützlinge verhielten sich ruhig und strahlten Hoffnung aus. Ich fühlte ihre Überzeugung, dass nun alles gut werden würde. Wir hatten ihren Eigentümern eine Waldhütte beschrieben, die man mit dem Auto anfahren konnte und als wir nach einiger Zeit dort ankamen, kamen sie uns schon entgegen.

Einer der Dackel fing trotz seiner Erschöpfung an, mit dem Schwänzchen zu wedeln und so wussten wir, dass es die richtigen Menschen waren. Alle waren unendlich glücklich und auch unseren Pferden sah man an, dass sie zufrieden waren mit unserer Leistung.

Kaum waren wir aufgesessen, forderten sie ordentlich Bewegung ein! Fröhlich ritten wir durch den Wald und mit jeder Trabsequenz fand Marie mehr ihrer Balance und damit zeigte sich die Anmut ihrer Bewegungen gepaart mit Lebensfreude und Wohlbefinden. Ein junges Reitpferd inmitten seiner Familie in der Natur. Mit Menschen, die dieses Geschenk fühlen und mit Freude annehmen.

Im Ergebnis war unsere Strecke nicht so lang, wie geplant, doch wir waren alle glücklich und zufrieden mit unserem Erlebnis. Ein gelungener Ritt, auf dem alle einmal mehr bewiesen, dass wir gemeinsam Lösungen auch für unvorhergesehene Situationen finden.

Ich danke allen Mitreitern und auch unseren wunderbaren Friesenpferden für ihr Vertrauen und diese Glücksmomente, die sie uns schenken.

Ihre Nora Eisenlauer

One thought on “Ein Halbtagesritt – anders als gedacht

  1. Andrea Schulte sagt:

    Ja, das war ein herzzerreißender Anblick, wie die beiden völlig durchnässten, vor Kälte, Angst und Hunger zitternden Hundebabys vor uns auf dem Weg saßen. Was ein Glück für die beiden Kleinen, dass wir an diesem Tag von unserem ursprünglich geplanten Weg abwichen. Es war wohl unsere Bestimmung, diesen kleinen Hunden das Leben zu retten. Ganz besonders ergreifend war das Wiedersehen der beiden Welpen mit ihrem Herrchen. Ich weiß nicht, wer sich mehr gefreut hat, die Hunde oder ihr Besitzer, der sie schon über Stunden verzweifelt gesucht hatte. Durch diese Rettung wurde dieser Ausflug für uns alle zu einem unvergesslichen Ausritt, an den wir immer noch gerne und mit Freude zurückdenken.

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